Nach dem Verbraucherportal verivox ist für etwa 15% der privaten Verbraucher die Entscheidung im Stromkauf maßgeblich von ökologischen Gesichtspunkten abhängig.
Es gibt eine Vielzahl von Stromerzeugungs-Zertifikaten, davon ist das RECS-Zertifikat (Renewable Ernergy Certificate System) am meisten verbreitet. Das RECS ist ein in zur Zeit 24 europäischen Ländern eingeführtes Handelssystem, welches von den größten europäischen Energie-Handelsgesellschaften gegründet worden ist. Aber das RECS-Zertifikat wird zum Teil sehr kritisch gesehen, weil der Handel mit Zertifikaten vom physikalischen Strom getrennt wird.
So wird es ermöglicht, das regenerativ erzeugter Strom, für den sich kein Ökokunde findet, als normaler Strom verkauft und statt dessen an anderem Ort und Zeit normal erzeugter Strom als Ökostrom angeboten wird.
Ich sehe beim RECS-System ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil zur Zeit regenerativ erzeugter Strom in Europa nur umverteilt wird. Ein Großteil der regenerativ erzeugten Strommenge wird aus Wasserkraft erzeugt. In 2008 war dieser Anteil höher als die Nachfrrage nach Ökostrom. Daher ist der Preis der Zertifikate relativ niedrig.
So kann ein Versorger beispielsweise kostengünstig Atomstrom an der Strombörse einkaufen und mit Hilfe von RECS-Zertifikaten in “Ökostrom” umwandeln.
Ich empfehle allen, die Ökostrom einkaufen und somit den Ausbau erneuerbarer Energien förden wollen, kritisch die Ökostrom-Zertifizierung zu prüfen. Ansonsten wird unter Umständen mit einem oft nicht geringen Aufpreis der “Status Quo” unterstützt und das Gegenteil von dem erreicht, was gefördert werden sollte.
Möglicherweise kaufen dann Klimaschützer und Umweltbewußte den von ihnen abgelehnten Atomstrom als Ökostrom ein. Ob sie das wirklich wollen….?
Michael Koch
