In Deutschland ist ein grundlegender Umbau der Energieerzeugung angedacht. Bis 2050 sollen erneuerbare Energien 80% des Strombedarfs decken.
Allerdings ist eine entsprechende Änderung nur mit Stromspeichern möglich. An typischen deutschen Wintertagen mit diesigem Wetter, Regen- oder Schneeschauern, ohne Sonne und Wind wird nur wenig Windenergie erzeugt und kaum Solarstrom eingespeist. Für den anstehenden Umbau sind daher die in der Praxis bestens bewährten Pumpwasserkraftwerke von zentraler Bedeutung.
Pumpwassserkraftwerke haben einen Wirkungsgrad von bis zu 85% und sind die einzigen großen Stromspeicher, die sich weltweit bewährt haben.
Wenn Strom nur aus Wind und Sonne erzeugt werden soll, braucht eine Industrienation wie Deutschland eine Speicherkapazität für 10 – 20 Tage. Dies entspricht einem Pumpwassserkraftwerk von der Größe des Bodensees. Das Wasser des gesamten Sees müsste alle zwei Wochen 70 Meter hochgepumpt und wieder abgelassen werden, um genug Strom zu erzeugen, wenn Wind und Sonne fehlen. Bisher reichen die Kapazitäten nur für einige Stunden.
Ein bundesweiter Stromausfall für nur einen Tag würde die deutsche Wirtschaft ca. 30 Milliarden Euro kosten.
Um die Energiewende umzusetzen, ist ein rascher und umfassender Ausbau der Pumpwasserspeicherkapazitäten notwendig. Im Südschwarzwald plant die Schluchseewerk Deutschland AG das derzeit größte Pumpwasserspeicherwerk mit einer Leistung von 1.400 Megawatt und einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro. Sind die Wasserspeicher gefüllt, reicht die erzeugbare Leistung aus, um 1,3 Millionen Haushalte 13 Stunden mit Strom zu versorgen.
Das Kraftwerk soll 2019 in Betrieb gehen. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann ist jedoch ungewiss, da sich auf breiter Linie Widerstand formiert. Neben dem Schwarzwaldverein zählen auch die Grünen im Kreis Waldshut zu den entschiedenen Gegnern des Projekts. Dies ist kein Einzelfall, sondern eher die Regel.
Auch der für die Energiewende notwendige Ausbau des Hochspannungsnetzes ist ins Stocken geraten. Viele Naturverbände und grüne Kreisverbände sind entschiedene Gegner einzelner Maßnahmen. Durch den erheblichen Widerstand vor Ort gegen den notwendigen Netzumbau und den Ausbau der Stromspeicherkapazitäten ist meiner Meinung nach die geplante Umsetzung der Energiewende gefährdet.
Im Falle der ökologischen Energiewende und der daraus resultierenden Konflikte zwischen Klimaschutz und Ökologie wird sich zeigen, wie ökologisch die Grüne Partei wirklich ist. Den Vorteil einer Energiewende ohne Nachteile wird es nicht geben. Leider wird von den führenden grünen Politikern meiner Meinung nach ein weiterer ökologischer Umbau gefordert, allerdings ohne auf mögliche Nachteile einzugehen und darüber aufzuklären. Zu den Vorortkonflikten gibt es nur wenige Stellungnahmen für eine Umsetzung der Maßnahmen. Es heisst oft, die einzelne Maßnahme sei nicht unbedingt notwendig. Dies mag im Einzelfall machmal richtig sein. Da aber viele Vorhaben gleichzeitig verhindert werden, ist die Energiewende insgesamt gefährdet.
Wer für die Energiewende ist, sollte meiner Meinung nach darauf achten, wie sich die einzelnen Parteien bei unpopulären Vorortmaßnahmen verhalten und seine Stimmabgabe danach ausrichten.
Weiterhin wünsche ich uns allen, dass mehr Bürger die derzeit oft unpopulären, aber für die Energiewende notwendigen Maßnahmen unterstützen werden.
Michael Koch
Der Autor ist seit vielen Jahren Energieexperte und berät bundesweit Unternehmen in allen Fragen, die diesen Bereich betreffen.
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